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Street Photography Klischees: Welche Bilder wir alle schon zu oft gesehen haben

21. Oktober 2023 Bastian Peter 0 Comments
Inspirierende Projekte und Fotografen in der Street Fotografie Street Fotografie
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Abstrakte Street Fotografie von Bastian Peter in Schwarz/Türkis. Symbolbild für Artikel für Street Fotografie Klisches und Kunst.

Street Photography Klischees sind nicht automatisch schlecht. Das Problem beginnt erst, wenn ein Foto nur aus einem einzigen Trick besteht: Pfütze. Schatten. Hut. Plakat. Einsamer Mensch im Licht. Klick. Fertig. Leider meistens nicht.

Ich mache selbst Klischee-Fotos. Natürlich. Jeder, der lange genug draussen fotografiert, hat irgendwann eine Spiegelung, einen Schatten, eine Silhouette, einen Regenschirm oder einen Menschen vor einer absurden Werbetafel fotografiert. Die Frage ist nicht, ob ein Motiv schon einmal gesehen wurde. Die Frage ist: Trägt das Bild mehr als nur diesen einen bekannten Effekt?

Aus der Praxis von Bastian Peter
Warum ich diesen Ratgeber schreibe

Ich fotografiere seit 2018 regelmässig ungestellte Street Photography, vor allem in Basel. Diese Ratgeber entstehen aus eigener fotografischer Praxis, aus vielen verworfenen Bildern, aus Serienarbeit und aus der Frage, was draussen wirklich funktioniert.

Über Bastian Peter · Street-Photography-Portfolio · Fotografie-Ratgeber

Street Photography Klischees: das Problem ist nicht das Motiv

Ein Klischee ist nicht automatisch ein schlechtes Foto. Ein Klischee ist zuerst einmal ein Motiv, das oft funktioniert hat. Genau darum wird es wiederholt. Pfützen funktionieren, weil sie die Welt verdoppeln. Schatten funktionieren, weil sie grafisch sind. Plakate funktionieren, weil sie Text und Realität gegeneinander ausspielen. Einsame Figuren funktionieren, weil sie sofort Stimmung erzeugen.

Das Problem ist: Wenn ein Foto nur aus diesem einen Element besteht, fällt es schnell auseinander. Dann ist es kein Bild mehr, sondern ein Trick. Und Tricks werden müde. Ein gutes Street-Foto darf ein Klischee enthalten, aber es sollte nicht vollständig davon abhängig sein.

Meine Regel: Ein Element ist nett, zwei sind besser, drei können ein Bild tragen

Wenn ich ein Bild beurteile, frage ich mich oft: Was trägt hier eigentlich? Nur die Pfütze? Nur der Schatten? Nur der rote Mantel? Oder gibt es zusätzlich Haltung, Licht, Timing, Raum, Blickrichtung, Geste, Spannung, Humor oder eine kleine Geschichte?

Ein einzelnes starkes Element kann reichen, aber meistens braucht es mehr. Eine Silhouette im Licht ist nett. Eine Silhouette im Licht mit einer Geste, die zum Plakat dahinter passt, ist besser. Eine Silhouette im Licht, eine passende Geste, eine zweite Figur am Rand und eine Atmosphäre, die nicht nach Instagram-Rezept riecht, kann wirklich interessant werden.

1. Die einsame Silhouette im Lichtkegel

Der Klassiker: dunkle Strasse, hartes Licht, eine Person läuft durch den Lichtkegel. Sieht fast immer gut aus. Genau deshalb sieht man es überall. Es ist die Pasta mit Tomatensauce der Street Photography: nie ganz falsch, aber auch selten eine Offenbarung.

Warum es funktioniert: Es ist grafisch, klar und sofort lesbar. Licht gegen Dunkel. Mensch gegen Raum. Einsamkeit gegen Stadt.

Warum es langweilig wird: Wenn die Person nur irgendeine Person ist und sonst nichts passiert, bleibt das Bild dekorativ. Schön, aber leer.

Wie man es retten kann: Warte auf eine Geste, eine ungewöhnliche Körperhaltung, eine zweite Figur, eine Bewegung im Hintergrund oder eine Form, die mit der Person zusammenarbeitet. Das Licht ist nur die Bühne. Das Bild braucht noch eine Szene.

2. Pfützen und Spiegelungen

Nach Regen gehe ich selbst gerne raus. Ich mag Regen. Ich mag glänzende Strassen. Ich mag Reflexionen. Aber eine Pfütze allein ist noch keine Offenbarung, auch wenn sie heldenhaft auf dem Boden herumliegt und so tut, als wäre sie ein Portal in eine andere Dimension.

Warum es funktioniert: Spiegelungen machen aus gewöhnlichen Orten etwas Surreales. Die Stadt kippt, Fassaden schwimmen, Licht wird weicher.

Warum es langweilig wird: Viele Pfützenbilder zeigen nur: Da war eine Pfütze. Gratulation an das Wetter.

Wie man es retten kann: Die Spiegelung muss mit dem realen Teil des Bildes sprechen. Eine Person, die genau an der Kante der Spiegelung steht. Eine Farbe, die oben und unten wiederkehrt. Eine Bewegung, die im Wasser anders wirkt als in der Realität. Dann wird aus der Pfütze ein Bildbaustein statt ein billiger Effekt.

3. Mensch vor Plakat

Eine Person läuft vor einem Plakat vorbei, und der Text passt irgendwie. „Dream big“ über einem müden Pendler. „Sale“ neben einem gelangweilten Gesicht. „Freedom“ hinter jemandem, der aufs Handy starrt. Ja, wir haben alle gelacht. Kurz.

Warum es funktioniert: Text erzeugt sofort Bedeutung. Plakat und Mensch ergeben eine kleine visuelle Pointe.

Warum es langweilig wird: Viele dieser Bilder sind nur ein Wortwitz mit Beinen. Das Foto selbst trägt wenig, weil die Pointe alles erledigen muss.

Wie man es retten kann: Achte auf Komposition, Timing und Mehrdeutigkeit. Wenn der Text zu offensichtlich ist, wird das Bild flach. Spannender wird es, wenn Plakat, Körperhaltung und Raum eine offene, leicht seltsame Beziehung bilden. Ein gutes Bild erklärt den Witz nicht zu laut.

4. Der rote Mantel, der rote Regenschirm, das rote Irgendwas

Ein roter Farbfleck in einer grauen Stadt funktioniert zuverlässig. Fast zu zuverlässig. Der rote Mantel ist der Cheatcode der Farbfotografie: Er schreit „hier bin ich“, während der Rest des Bildes höflich im Hintergrund stirbt.

Warum es funktioniert: Rot zieht den Blick. In Basel, im Regen, in grauem Licht oder zwischen neutralen Fassaden kann das sehr stark sein.

Warum es langweilig wird: Wenn Rot das einzige Ereignis im Bild ist, bleibt es Dekoration. Dann fotografiert man nicht den Moment, sondern eine Farbe.

Wie man es retten kann: Die Farbe muss eine Funktion haben. Sie kann eine Blickrichtung führen, eine Figur isolieren, eine Spannung erzeugen oder mit einem zweiten Element im Bild reagieren. Rot allein ist laut. Rot mit Timing ist Fotografie.

5. Schatten auf dem Zebrastreifen

Zebrastreifen, harte Sonne, langer Schatten. Das ist die geometrische Fitnessübung der Street Photography. Man fühlt sich sofort wie ein Bildkompositions-Profi, weil Linien da sind. Linien sind praktisch. Linien machen, was man ihnen sagt.

Warum es funktioniert: Es ist grafisch und rhythmisch. Menschen, Streifen und Schatten können ein starkes Muster bilden.

Warum es langweilig wird: Wenn das Bild nur sagt „ich habe Linien gesehen“, fehlt der Rest. Linien sind Struktur, aber keine Geschichte.

Wie man es retten kann: Suche nach einer Unterbrechung im Muster. Ein Mensch, der anders läuft. Ein Schatten, der eine zweite Form erzeugt. Eine Geste, die gegen die Ordnung arbeitet. Gute Street Photography lebt oft davon, dass Ordnung und Störung gleichzeitig sichtbar sind.

6. Menschen, die auf ihr Handy starren

Das Handy-Bild ist das moderne „Schaut mal, alle sind entfremdet“-Foto. Jemand steht irgendwo und schaut aufs Display. Aussage: Gesellschaft kaputt. Ende. Das ist ungefähr so subtil wie ein Vorschlaghammer mit Push-Nachricht.

Warum es funktioniert: Es ist sofort verständlich. Menschen mit Handys sind überall, und das Thema ist gesellschaftlich aufgeladen.

Warum es langweilig wird: Weil es meistens nichts Neues sagt. Eine Person am Handy ist noch keine Beobachtung. Es ist ein Zustand.

Wie man es retten kann: Suche nach Widerspruch. Eine Person am Handy mitten in einer absurden Situation. Ein leuchtendes Display in schönem Abendlicht. Eine Gruppe, die alle gleichzeitig abwesend wirkt, während im Hintergrund etwas passiert, das sie verpassen. Dann entsteht mehr als nur Kulturpessimismus im Taschenformat.

7. Rückenansichten ohne Aussage

Rücken sind bequem. Man muss niemandem ins Gesicht fotografieren, niemand schaut zurück, niemand fragt etwas. Das kann sehr gut sein. Aber viele Rückenbilder wirken wie ein Fotograf, der sich nicht getraut hat, näher an das eigentliche Bild zu kommen.

Warum es funktioniert: Rückenansichten können geheimnisvoll sein. Sie lassen Raum für Projektion und wirken oft ruhiger als frontale Bilder.

Warum es langweilig wird: Ein Rücken allein erzählt wenig. Wenn die Person nur von hinten zu sehen ist und der Raum nichts beiträgt, bleibt das Bild unentschieden.

Wie man es retten kann: Der Rücken muss mit der Umgebung arbeiten. Blickrichtung, Haltung, Abstand, Licht, Architektur oder ein zweites Element müssen eine Spannung erzeugen. Sonst ist es nur jemand, der weggeht. Das tun viele. Jeden Tag. Sehr erfolgreich.

8. Obdachlosigkeit, Armut und billiges Drama

Das ist kein harmloses Klischee, sondern ein heikler Bereich. Menschen in Not zu fotografieren, nur weil sie visuell „roh“ wirken, ist oft nicht mutig, sondern faul. Armut ist kein kostenloses Texturpaket für fotografische Tiefe.

Warum es scheinbar funktioniert: Solche Bilder erzeugen schnell Schwere. Sie wirken dramatisch, sozial, dokumentarisch.

Warum es problematisch wird: Wenn das Bild nur vom Unglück einer Person lebt, nutzt es diese Person als Effekt. Das ist weder automatisch dokumentarisch noch automatisch wichtig.

Wie man es besser macht: Frage dich, ob das Bild Würde hat. Erzählt es mehr als „jemand hat es schwer“? Gibt es Kontext, Haltung, Respekt? Würdest du es zeigen, wenn die abgebildete Person neben dir stünde? Falls nicht, ist das Bild vielleicht nicht so stark, wie es sich im ersten Moment anfühlt.

9. Alte Menschen als Charakterstudie

Ein faltiges Gesicht, ein Hut, ein Stock, ein langsamer Schritt – und schon fühlt sich das Foto bedeutungsvoll an. Alter ist visuell stark, aber auch ein Bereich, in dem Street Photography schnell bequem wird.

Warum es funktioniert: Gesichter, Hände und Haltungen älterer Menschen tragen sichtbare Zeit. Das kann sehr berührend sein.

Warum es langweilig oder unfair wird: Wenn das Bild nur sagt „alt“, ist es dünn. Menschen sind keine Symbolfiguren für Vergänglichkeit, nur weil sie nicht mehr 25 sind.

Wie man es retten kann: Suche nach Handlung, Haltung, Humor, Eleganz, Widerstand, Alltag. Ein älterer Mensch ist kein Motivtyp, sondern ein Mensch. Das klingt banal, wird aber erstaunlich oft vergessen.

10. Filmlook, Korn und Schwarzweiss als Rettungsversuch

Schwarzweiss kann grossartig sein. Korn kann schön sein. Harte Kontraste können funktionieren. Aber wenn ein schlechtes Bild erst nach Schwarzweiss, Korn, Kontrast und melancholischem Titel interessant wirkt, ist es vielleicht einfach ein schlechtes Bild mit Make-up.

Warum es funktioniert: Schwarzweiss reduziert Ablenkung. Kontrast kann Form und Licht stärken. Korn kann Atmosphäre geben.

Warum es langweilig wird: Wenn der Look die ganze Arbeit erledigt, fehlt dem Bild Substanz. Dann wird Stil zur Ausrede.

Wie man es retten kann: Bearbeite erst, nachdem das Bild auch ohne Effekt etwas hat. Licht, Timing, Form, Geste, Blick, Raum – mindestens eines davon muss schon vorher tragen. Der Look darf verstärken, nicht wiederbeleben.

11. Die Wand, die schon alle fotografiert haben

Jede Stadt hat sie: eine Wand, ein Tunnel, eine Treppe, ein Durchgang, eine Neonreklame, eine Spiegelung, die Street-Fotograf:innen magisch anzieht. Man erkennt sie irgendwann auf Instagram wie alte Bekannte, die zu oft dieselbe Geschichte erzählen.

Warum es funktioniert: Gute Orte liefern Struktur, Licht und wiederkehrende Möglichkeiten. Daran ist nichts falsch.

Warum es langweilig wird: Wenn der Ort berühmter ist als das Bild, fotografiert man Kulisse. Nicht Szene.

Wie man es retten kann: Bleib nicht beim Ort stehen. Frage dich, was dort passieren muss, damit das Bild wirklich deins wird. Andere Perspektive, andere Tageszeit, anderes Wetter, längeres Warten, weniger offensichtlicher Ausschnitt. Ein bekannter Ort braucht eine neue Entscheidung.

12. Der „entscheidende Moment“, der gar keiner ist

Nicht jeder Mensch, der durchs Bild läuft, ist ein entscheidender Moment. Manchmal ist es einfach jemand, der von A nach B muss und keine Ahnung hat, dass er gerade zum Kunstwerk erklärt wurde.

Warum es funktioniert: Timing ist zentral. Street Photography lebt von Momenten, die nicht wiederkommen.

Warum es langweilig wird: Wenn jedes zufällige Vorbeigehen als Moment verkauft wird, verliert der Begriff Gewicht.

Wie man es retten kann: Achte darauf, was sich im Bruchteil einer Sekunde wirklich verändert. Blick, Geste, Abstand, Überlagerung, Lichtkante, Berührung, Gleichgewicht. Ein guter Moment hat Spannung. Er ist nicht nur eine Person an einem Ort.

Nicht jedes Klischee ist schlecht

Ich will keine Bilderpolizei spielen. Wer gerne Pfützen fotografiert, soll Pfützen fotografieren. Wer Schatten liebt, soll Schatten jagen. Wer Schwarzweiss mag, soll Schwarzweiss machen. Das Problem ist nicht Wiederholung. Das Problem ist gedankenlose Wiederholung.

Manchmal funktioniert ein Klischee, weil es ehrlich zum Moment passt. Ein Regenschirm im Regen ist kein Verbrechen. Eine Silhouette im Licht ist nicht automatisch langweilig. Aber das Bild muss mehr bieten als die Erkennung des Motivtyps. Es braucht eine zusätzliche Entscheidung.

Wie du ein Klischee in ein besseres Street-Foto verwandelst

Wenn du merkst, dass du ein bekanntes Motiv fotografierst, brich nicht sofort ab. Frage dich stattdessen:

  • Was ist das zweite Element im Bild?
  • Gibt es eine Geste, die das Motiv verändert?
  • Ist das Licht nur schön oder erzählt es etwas?
  • Gibt es eine Spannung zwischen Vordergrund und Hintergrund?
  • Ist die Person Hauptmotiv, Beiwerk oder nur Dekoration?
  • Würde das Bild ohne den offensichtlichen Effekt noch funktionieren?
  • Ist es respektvoll genug, um veröffentlicht zu werden?

Diese Fragen machen ein Bild nicht automatisch grossartig. Aber sie verhindern, dass man jeden visuellen Reflex sofort für Bedeutung hält.

Street Photography Klischees und Ethik

Manche Klischees sind nur langweilig. Andere sind unfair. Das ist ein Unterschied. Eine Pfütze langweilt niemanden persönlich. Ein Mensch in einer verletzlichen Situation vielleicht schon.

Darum gehören Klischees und Verantwortung zusammen. Wenn ein Bild von Blossstellung, Peinlichkeit, Armut, Hilflosigkeit oder einer sehr privaten Geste lebt, sollte man genauer hinschauen. Für die Schweiz habe ich dazu zwei Beiträge geschrieben: Ist Street Fotografie in der Schweiz legal? als praktische Einordnung und Recht am eigenen Bild in der Schweiz als vertiefenden Ratgeber.

Für Deutschland und Österreich gelten eigene Grundlagen: Ist Streetfotografie in Deutschland legal? und Recht am eigenen Bild in Österreich. Recht macht ein Bild nicht automatisch gut. Aber ein gutes Bild sollte nicht davon leben, dass man die Wirkung auf andere ignoriert.

Warum Basel für Klischees gefährlich gut ist

Basel macht es einem leicht. Regen auf Pflaster. Tramlichter. Schaufenster. Messe. Marktplatz. Fasnacht. Rhein. Enge Gassen. Harte Schatten im Sommer und feuchte Reflexionen im Winter. Die Stadt liefert Material, manchmal fast zu freundlich.

Genau deshalb muss man aufpassen. Wenn ein Ort schon stark ist, verführt er zu bequemen Bildern. Ich kenne das. Man sieht Licht, eine Person läuft hinein, und der Finger ist schneller als der Zweifel. Später am Bildschirm merkt man: Es war schön. Aber war es auch ein Bild?

Mein persönlicher Qualitätsfilter

Ich fotografiere oft ohne Plan. Wenn mich Wetter, Licht oder ein innerer Drang nach draussen ziehen, gehe ich los. Manchmal komme ich mit vielen Fotos zurück, manchmal mit fast nichts. Und manchmal ist nach sechs Stunden ein einziges Bild dabei, das sich lohnt. Dann war es trotzdem ein guter Abend.

Mein Filter ist nicht: Habe ich etwas gesehen, das nach Street Photography aussieht? Mein Filter ist: Hat dieses Bild mehr als einen bekannten Reiz? Hat es Atmosphäre? Hat es Haltung? Hat es eine kleine Störung? Kann ich länger als drei Sekunden hinschauen, ohne dass es auseinanderfällt?

Der unangenehme Test: Warum sollte jemand dieses Bild ansehen?

Das ist die brutalste Frage. Nicht: Ist es scharf? Nicht: Ist es korrekt belichtet? Nicht: Hat es einen Schatten? Sondern: Warum sollte jemand, der nicht dabei war, dieses Bild ansehen?

Wenn die Antwort nur lautet „weil da eine Spiegelung ist“, wird es eng. Wenn die Antwort lautet „weil Licht, Geste und Raum zusammen eine seltsame kleine Szene bilden“, wird es interessanter. Street Photography ist nicht das Sammeln von Beweisen, dass man draussen war. Sie ist das Verdichten von Momenten.

Fazit: Klischees sind erlaubt, Faulheit nicht

Street Photography Klischees sind nicht der Feind. Faulheit ist der Feind. Ein Klischee kann ein Anfang sein, ein Gerüst, ein Auslöser. Aber es darf nicht das ganze Bild sein.

Wenn ein Foto nur sagt „Pfütze“, „Schatten“, „rote Jacke“ oder „Mensch vor Plakat“, ist es wahrscheinlich zu dünn. Wenn es aber mehrere Dinge gleichzeitig tut – Licht, Timing, Geste, Raum, Humor, Spannung, Respekt – dann darf es ruhig ein bekanntes Element enthalten. Gute Street Photography muss nicht zwanghaft neu sein. Aber sie sollte wach sein.

Weitere passende Ratgeber

  • Was ist Street Photography? – Begriff, Haltung und Praxis der ungestellten Fotografie.
  • Kamera für Street Photography – welche Kamera draussen wirklich hilft.
  • Unauffällige Kamera für Street Photography – diskret fotografieren, ohne Szenen unnötig zu stören.
  • 35mm oder 50mm Street Photography – welche Brennweite besser zu deiner Arbeitsweise passt.
  • Street Photography Ausrüstung – was du wirklich brauchst und was nur Ballast ist.

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