Vertigo: Farbe, Wiederholung und der Wunsch nach einem bestimmten Bild
Manchmal suchen wir beim Fotografieren so hartnäckig nach einer bestimmten Vorstellung, dass die tatsächliche Person oder der Ort dahinter verschwindet. Vertigo – Aus dem Reich der Toten macht diese Fixierung zum beunruhigenden Kern seiner Geschichte. Für mich ist der Film deshalb nicht nur eine Anregung für Farben und Perspektiven, sondern auch eine Frage an den eigenen Blick: Was möchte ich unbedingt sehen?
Den Standort nicht mit dem Zoom verwechseln
Alfred Hitchcocks Film von 1958 führt Scottie Ferguson, gespielt von James Stewart, durch San Francisco. Kim Novak spielt die zentrale Frauenfigur, Robert Burks verantwortete die Kamera. Wer die Geschichte noch nicht kennt, kann zunächst auf Orte, Farben und Wiederholungen achten; für diese fotografische Betrachtung ist die vollständige Auflösung nicht nötig.
Vergleiche zunächst Standort und Ausschnitt mit der vorhandenen Kamera. Die folgenden Optionen eignen sich für eigene Fotoversuche; den Dolly-Zoom als Bewegung zeigen einzelne Standbilder nicht.
Canon EOS R50 mit RF-S 18–45mm F4.5–6.3 IS STM

Für den Einstieg ohne vorhandene Systemkamera: Das Kit enthält die schwarze R50 und das passende RF-S-Zoom. Das Zoom erreicht nicht F1.8; bei wenig Licht ist es daher kein gleichwertiger Ersatz für eine lichtstarke Festbrennweite. Für vorhandene R10-/R50-Besitzer ist keine zweite Kamera nötig.
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Du kannst damit erst ausprobieren, wie viel Raum du zeigen möchtest, statt sofort mehrere Festbrennweiten zu kaufen.
Canon RF 35mm F1.8 Macro IS STM

Für ruhigere Einzelporträts oder einen bewusst engeren Ausschnitt an Canon R10/R50. Das RF-Objektiv passt ohne Adapter; im kleinen Zimmer kann jedoch der nötige Abstand fehlen. Die offene Blende hilft bei wenig Licht, ersetzt aber weder sicheren Fokus noch eine zur Bewegung passende Belichtungszeit. Ein vorhandenes Zoom bei 35 mm zeigt vor dem Kauf, ob der Platz reicht.
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Das R50-Zoomkit eignet sich, um einen Ausschnitt bei unterschiedlichem Standort zu vergleichen. Das RF 35 mm ist eine andere Entscheidung: eine festere, lichtstarke Ergänzung für vorhandene Canon-RF-Kameras, an R10/R50 eher eng. Für einen ersten Versuch reicht jede vorhandene Kamera, an der du den Ausschnitt nachvollziehbar wählen kannst.
Was der Vertigo-Effekt verändert
Beim sogenannten Dolly-Zoom bewegt sich die Kamera, während die Brennweite gegenläufig verändert wird. Das Hauptmotiv bleibt ungefähr gleich gross, doch die räumliche Beziehung zum Hintergrund verschiebt sich. Ein Standfoto kann die Bewegung dieses Effekts nicht wiedergeben. Du kannst aber zwei eigene Aufnahmen vergleichen: einmal näher mit weiterem Bildwinkel, einmal weiter entfernt mit engerem Bildwinkel und ähnlich grossem Hauptmotiv.
Der Unterschied entsteht nicht allein durch die Brennweite, sondern durch den veränderten Standort. Für die Übung würde ich einen unbewegten Gegenstand wählen, nicht rückwärts durch Verkehr oder über Treppen gehen. Markiere sichere Positionen und kontrolliere den Hintergrund. So wird aus einem berühmten Filmeffekt eine verständliche Lektion über Perspektive.
Eine Farbe kann Erinnerung auslösen
Wenn eine Farbe später wiederkehrt, bringt sie frühere Bilder mit. Das ist stärker als die pauschale Zuordnung «Grün bedeutet dies, Rot bedeutet das». In Vertigo erhält Farbe ihre Wirkung durch Figuren, Orte und Wiederholung. Die BFI-Programmanalyse von Peter Matthews untersucht diesen Zusammenhang ausführlich; der Text verrät wesentliche Handlungspunkte.
Für eigene Fotos würde ich eine Farbe zunächst beiläufig einführen und später deutlicher zeigen. Ein grüner Stoff im ersten Bild und eine verwandte Fläche im letzten können eine Folge verbinden. Die Verbindung darf offenbleiben. Eine Fotografie muss nicht jede Bedeutung wie ein beschriftetes Diagramm erklären.
Wiederholung kann verändern statt bestätigen
Fotografiere einen Ort an zwei unterschiedlichen Tagen oder aus zwei abgestimmten Entfernungen. Lass einen erkennbaren Bezugspunkt im Bild. Beim zweiten Foto interessiert mich nicht nur, ob es dem ersten ähnelt. Was ist anders geworden, und was lässt sich nicht wiederholen?
Diese Frage ist bei Porträts besonders wichtig. Eine Person muss nicht eine frühere Pose oder ein fremdes Ideal möglichst genau verkörpern. Ich würde mit ihr besprechen, was an der neuen Aufnahme eigenständig sein darf. Der kontrollierende Blick der Filmfigur ist gerade keine Anleitung zum Umgang mit Menschen vor der Kamera.
Licht und Oberfläche vor dem Filter
Ein weicher Lichtschein kann eine Figur vom gewöhnlichen Raum abheben. Er ist aber nicht automatisch durch einen bestimmten modernen Schraubfilter herzustellen. Stärke, Lichtquelle und Objektiv beeinflussen die Wirkung. Ich würde zuerst ein vorhandenes weiches Fensterlicht und eine klare Vergleichsaufnahme nutzen, bevor ich einen zusätzlichen Diffusionsfilter kaufe.
Bei der Bearbeitung hilft eine zweite, zurückhaltende Version. Wenn die weiche Variante Augen, Stoff und Hintergrund gleichermassen verschleiert, verliert das Bild möglicherweise die nötigen Unterschiede. Eine gezielte Entscheidung ist nützlicher als der Wunsch, jedes Foto müsse erkennbar «filmisch» aussehen.
Eine Vertiefung über Hitchcock hinaus
Charles Barrs Vertigo-Band in der Reihe BFI Film Classics liegt in der englischen zweiten Auflage von 2012 mit 112 Seiten und ISBN 9781844574988 vor. Laut Verlagsbeschreibung richtet er den Blick auch auf das Zusammenwirken der Beteiligten. Das ist interessant, wenn du die Entstehung und Konstruktion des Films vertiefen möchtest. Für den eigenen Fotovergleich bleiben dagegen Standort, Ausschnitt und die Beziehung zum Hintergrund die unmittelbar praktischen Fragen.
Für die Arbeit mit eigenen Bildern sind daneben Bücher über Bildgestaltung und fotografisches Sehen die passendere Kategorie. Eine Filmstudie und ein Fotobuch erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Bei einer Film-Edition selbst bleiben Sprache, Untertitel und Abspielbarkeit wichtiger als die blosse Aufschrift «Sammlerausgabe».
Zwei Bilder nebeneinander beurteilen
Lege die beiden Perspektivversuche und eine wiederkehrende Farbe als kleine Folge aus. Prüfe zuerst am Bildschirm, danach bei Bedarf mit einfachen eigenen Abzügen. Bleibt die Verbindung auch ohne leuchtendes Display verständlich? Für diesen Schritt ist kein grosses Wandformat nötig. Fremde Filmstills gehören nicht in eine eigene verkäufliche Druckserie.
À bout de souffle bietet den Gegenvergleich einer anderen räumlichen und zeitlichen Unruhe. The Third Man zeigt dagegen, was die Verkippung einer Kamera auslösen kann. Beides ist nicht der Dolly-Zoom. Der Beitrag zu Film Noir und Street Photography verbindet die Fragen mit der eigenen Aufnahme.