Crop-Faktor einfach erklärt: die kurze Antwort
Der Crop-Faktor beschreibt, wie sich der sichtbare Bildwinkel einer Kamera im Vergleich zum Vollformat verändert. Bei APS-C beträgt er meistens 1,5, bei Canon APS-C ungefähr 1,6 und bei Micro Four Thirds 2,0.
Für den vergleichbaren Vollformat-Bildwinkel multiplizierst du die Brennweite mit dem Crop-Faktor. Ein 50mm-Objektiv an APS-C mit Faktor 1,5 zeigt deshalb ungefähr denselben Bildwinkel wie 75mm am Vollformat. Das Objektiv selbst bleibt trotzdem ein 50mm-Objektiv.
Crop-Faktor und Brennweite berechnen
Berechne entweder den vergleichbaren Vollformat-Bildwinkel oder die reale Brennweite, die du für einen gewünschten Bildwinkel brauchst.
Objektiv in Vollformat-Bildwinkel umrechnen
Gewünschten Bildwinkel rückwärts berechnen
Verwendet denselben Sensorfaktor wie links.
Der Rechner vergleicht den Bildwinkel. Die tatsächliche Brennweite des Objektivs verändert sich nicht.
Was ist der Crop-Faktor?
Der Crop-Faktor, auch Formatfaktor genannt, vergleicht die Grösse eines Kamerasensors mit dem klassischen Kleinbild- beziehungsweise Vollformat von ungefähr 36 × 24 Millimetern.
Ein kleinerer Sensor erfasst nur einen kleineren Ausschnitt des Bildes, das ein Objektiv projiziert. Das englische Wort „crop“ bedeutet beschneiden. Der Sensor schneidet natürlich nicht wirklich mit einer Schere im Kameragehäuse herum. Er nutzt schlicht einen kleineren Teil des vorhandenen Bildkreises.
Dadurch wird der Bildwinkel enger. Entfernte Motive erscheinen im fertigen Bild grösser, während bei Weitwinkelaufnahmen weniger Umgebung auf das Foto passt.
Die Grundlagen zur Brennweite selbst findest du in meinem Ratgeber Brennweite einfach erklärt.
Wie berechnet man den Crop-Faktor?
Für die umgekehrte Rechnung teilst du den gewünschten Vollformat-Bildwinkel durch den Crop-Faktor:
Die Mathematik ist in diesem Fall erfreulich überschaubar. Schwieriger wird meistens nur die anschliessende Entscheidung, welches Objektiv tatsächlich mitkommen darf.
Gängige Sensorgrössen und ihre Crop-Faktoren
| Sensorformat | Typischer Crop-Faktor | 50mm entsprechen ungefähr | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Vollformat | 1,0 | 50mm | Referenzformat für die Umrechnung |
| APS-C Sony, Nikon und Fujifilm | 1,5 | 75mm | engerer Bildwinkel als am Vollformat |
| Canon APS-C | 1,6 | 80mm | etwas stärkerer Crop als bei vielen anderen APS-C-Systemen |
| Micro Four Thirds | 2,0 | 100mm | deutlich engerer Bildwinkel |
| Mittelformat | kleiner als 1,0 | abhängig von der Sensorgrösse | weiterer Bildwinkel als am Vollformat |
Bei Mittelformat hängt der genaue Wert vom verwendeten Sensor ab. Deshalb ist ein eigener Crop-Faktor im Rechner sinnvoller als eine pauschale Zahl für jedes System.
APS-C-Brennweite auf Vollformat umrechnen
| Reale Brennweite | APS-C 1,5 | Canon APS-C 1,6 | Micro Four Thirds 2,0 |
|---|---|---|---|
| 16mm | 24mm | 25,6mm | 32mm |
| 18mm | 27mm | 28,8mm | 36mm |
| 20mm | 30mm | 32mm | 40mm |
| 23mm | 34,5mm | 36,8mm | 46mm |
| 24mm | 36mm | 38,4mm | 48mm |
| 35mm | 52,5mm | 56mm | 70mm |
| 50mm | 75mm | 80mm | 100mm |
| 85mm | 127,5mm | 136mm | 170mm |
| 100mm | 150mm | 160mm | 200mm |
| 200mm | 300mm | 320mm | 400mm |
Die Tabelle beantwortet beispielsweise die häufige Frage, was 16mm an APS-C entsprechen: ungefähr 24mm bei Faktor 1,5 oder 25,6mm bei Canon APS-C.
Welche APS-C-Brennweite brauche ich für einen bestimmten Bildwinkel?
| Gewünschter Vollformat-Bildwinkel | APS-C 1,5 | Canon APS-C 1,6 | Micro Four Thirds 2,0 |
|---|---|---|---|
| 24mm | 16mm | 15mm | 12mm |
| 28mm | ca. 18,7mm | 17,5mm | 14mm |
| 35mm | ca. 23,3mm | ca. 21,9mm | 17,5mm |
| 50mm | ca. 33,3mm | 31,25mm | 25mm |
| 85mm | ca. 56,7mm | ca. 53,1mm | 42,5mm |
| 200mm | ca. 133,3mm | 125mm | 100mm |
Für einen klassischen 35mm-Bildwinkel brauchst du an einer Sony-, Nikon- oder Fujifilm-APS-C-Kamera ungefähr 23mm. Für einen klassischen 50mm-Bildwinkel sind etwa 33mm bis 35mm passend.
Genau diese praktische Entscheidung vertiefe ich im Vergleich 35mm oder 50mm auf APS-C.
Warum wird aus einem 50mm-Objektiv nicht wirklich ein 75mm-Objektiv?
Die tatsächliche Brennweite ist eine Eigenschaft des Objektivs. Sie verändert sich nicht durch das Ansetzen an eine andere Kamera. Ein 50mm-Objektiv bleibt an Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds optisch ein 50mm-Objektiv.
Was sich verändert, ist der Teil des projizierten Bildes, den der Sensor aufzeichnet. APS-C erfasst einen kleineren Ausschnitt als Vollformat. Dieser Ausschnitt entspricht ungefähr dem Bildwinkel, den ein 75mm-Objektiv am Vollformat zeigen würde.
Darum ist „äquivalente Brennweite“ genauer als „Brennweitenverlängerung“. Die Brennweite erhält keine Wachstumshormone. Wir vergleichen nur die sichtbare Bildwirkung.
Bildwinkel und Perspektive: Was verändert der Crop-Faktor wirklich?
Der Crop-Faktor verändert den erfassten Bildwinkel. Die Perspektive wird dagegen durch deinen Standort und den Abstand zum Motiv bestimmt.
Bleibst du am gleichen Ort und verwendest dasselbe Objektiv einmal an Vollformat und einmal an APS-C, zeigt die APS-C-Aufnahme einen engeren Ausschnitt. Die räumlichen Grössenverhältnisse innerhalb des gemeinsamen Bildbereichs bleiben zunächst gleich.
Willst du mit APS-C denselben Ausschnitt wie mit Vollformat aufnehmen, musst du weiter zurückgehen oder eine kürzere Brennweite verwenden. Erst dadurch verändert sich auch die Perspektive.
Muss die Blende ebenfalls mit dem Crop-Faktor umgerechnet werden?
Für die Belichtung nicht. Ein Objektiv mit Blende f/1.8 bleibt an APS-C ein Objektiv mit Blende f/1.8. Es lässt bezogen auf die Brennweite dieselbe Lichtmenge durch, und der Belichtungsmesser arbeitet mit der tatsächlichen Blendenzahl.
Für einen Vergleich der Bildwirkung bei gleichem Bildausschnitt wird die Blendenzahl manchmal ebenfalls mit dem Crop-Faktor multipliziert. Damit lässt sich ungefähr vergleichen, welche Schärfentiefe und Freistellung ein anderes Sensorformat bei entsprechend angepasster Brennweite erzeugt.
Ein 50mm f/1.8 an APS-C mit Faktor 1,5 wird deshalb für den Vergleich häufig als ungefähr 75mm f/2.7 am Vollformat beschrieben. Das bedeutet nicht, dass aus f/1.8 plötzlich f/2.7 für die Belichtung wird. Es ist ein Vergleichswert für Bildwinkel und Schärfentiefe.
Ist der Crop-Faktor ein Vorteil oder ein Nachteil?
Vorteil bei Sport, Tieren und entfernten Motiven
Der engere Bildwinkel kann bei entfernten Motiven nützlich sein. Ein 200mm-Objektiv zeigt an APS-C mit Faktor 1,5 einen Bildausschnitt wie ungefähr 300mm am Vollformat.
Das Motiv wird dadurch nicht optisch stärker vergrössert als durch dasselbe Objektiv. Je nach Sensorauflösung können aber mehr Bildpunkte auf dem engeren Ausschnitt liegen. Ob daraus tatsächlich mehr Details entstehen, hängt von Sensor, Objektiv, Fokus, Luft und Licht ab.
Nachteil bei Weitwinkel und kleinen Räumen
Wer einen sehr weiten Bildwinkel braucht, benötigt an APS-C eine entsprechend kürzere Brennweite. Für einen 24mm-Look am Vollformat brauchst du bei Faktor 1,5 ungefähr 16mm.
Das wird in Innenräumen, Architektur und Landschaft wichtig. Dort hilft ein engerer Ausschnitt selten, wenn die Wand hinter dir bereits das Ende der Verhandlung markiert.
Meine Erfahrung mit Crop-Faktor und unterschiedlichen Kameras
An meiner Sony A6100 und meiner Sony A5100 beträgt der Crop-Faktor ungefähr 1,5. Mein häufig verwendetes 50mm-Objektiv zeigt deshalb einen Bildwinkel, der ungefähr 75mm am Vollformat entspricht.
Das passt gut zu einzelnen Menschen, Details, Gesten und klar ausgewählten Ausschnitten. In engen Situationen merke ich jedoch sofort die Grenze: Eine Szene kann direkt vor mir liegen und trotzdem nicht vollständig ins Bild passen.
Mit einer Leica-Vollformatkamera habe ich den gleichen Brennweitenbereich offener erlebt. Dieser direkte Unterschied hat mir stärker geholfen als jede Merkregel. Die Zahl auf dem Objektiv war dieselbe Richtung, der sichtbare Raum im Bild aber nicht.
Welche Brennweite eignet sich für APS-C?
Für Landschaft, Architektur, Innenräume und einen weiten Bildwinkel. Wie daraus eine konkrete Wahl für Landschaftsaufnahmen entsteht, zeige ich mit passenden APS-C- und Vollformatlösungen im Ratgeber zum Objektiv für Landschaftsfotografie.
Für einen klassischen 35mm-Look, Reportage, Reise und sichtbare Umgebung.
Für einen 50mm-Look, Alltag, Menschen und eine vielseitige Normalbrennweite.
Für Portraits, Details und den Bildwinkel eines kurzen Teles.
Für entfernte Details, Bühne, Sport, Tiere und eine starke Auswahl.
Diejenige, die zu deinem Motiv, deinem Abstand und deinem verfügbaren Platz passt.
Eine allgemeine Entscheidung zwischen zwei beliebten Festbrennweiten findest du unter 35mm oder 50mm Objektiv. Für die grössere Systemfrage hilft mein Vergleich APS-C oder Vollformat.
Häufige Fehler beim Umrechnen
APS-C-Objektive sind nicht bereits umgerechnet beschriftet
Auf einem APS-C-Objektiv stehen die tatsächlichen Brennweiten. Ein Fujifilm-Objektiv mit 23mm hat wirklich 23mm und zeigt an APS-C ungefähr den Bildwinkel von 35mm am Vollformat.
Vollformatobjektive haben an APS-C keinen anderen Crop-Faktor
Ein 35mm-Vollformatobjektiv und ein 35mm-APS-C-Objektiv zeigen am selben APS-C-Gehäuse grundsätzlich denselben Bildwinkel. Unterschiede betreffen Bildkreis, Grösse, Gewicht, Konstruktion und Ausstattung.
Digitalzoom ist nicht der Crop-Faktor
Digitalzoom beschneidet oder vergrössert eine bereits aufgenommene Bildinformation. Der Crop-Faktor entsteht dagegen durch die physische Sensorgrösse im Vergleich zum Referenzformat.
Der Crop-Faktor sagt nichts über die Bildqualität allein
Ein grösserer oder kleinerer Sensor ist nicht automatisch in jeder Situation besser. Auflösung, Objektiv, Licht, Dynamikumfang, Fokus und fotografische Anwendung gehören ebenfalls zur Beurteilung.
Gerade bei Landschaftsobjektiven entscheidet der Crop-Faktor darüber, ob eine Millimeterangabe als weiter oder enger Bildwinkel erscheint. Konkrete Bereiche für APS-C und Vollformat findest du bei der Brennweite für Landschaftsfotografie.
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Häufige Fragen zum Crop-Faktor
Was ist der Crop-Faktor einfach erklärt?
Der Crop-Faktor beschreibt, wie viel enger oder weiter der Bildwinkel eines Sensorformats im Vergleich zum Vollformat ist.
Wie berechnet man den Crop-Faktor bei einer Brennweite?
Multipliziere die Brennweite mit dem Crop-Faktor. 50mm × 1,5 ergeben beispielsweise einen vergleichbaren Vollformat-Bildwinkel von 75mm.
Wie hoch ist der Crop-Faktor für 50mm?
Der Crop-Faktor gehört zum Sensor, nicht zur Brennweite. Bei APS-C mit Faktor 1,5 entsprechen 50mm ungefähr 75mm am Vollformat. Bei Canon APS-C mit Faktor 1,6 sind es ungefähr 80mm.
Was entsprechen 16mm auf APS-C?
Bei Faktor 1,5 entsprechen 16mm ungefähr einem 24mm-Bildwinkel am Vollformat. Bei Canon APS-C mit Faktor 1,6 sind es ungefähr 25,6mm.
Was entsprechen 23mm auf APS-C?
Bei Faktor 1,5 entsprechen 23mm ungefähr 34,5mm am Vollformat. Das liegt sehr nahe am klassischen 35mm-Bildwinkel.
Welche Brennweite entspricht 50mm am Vollformat auf APS-C?
Bei Faktor 1,5 brauchst du ungefähr 33mm bis 35mm. Bei Canon APS-C mit Faktor 1,6 sind rund 31mm passend.
Welchen Crop-Faktor hat die Nikon Z50?
Die Nikon Z50 besitzt einen APS-C-Sensor im Nikon-DX-Format mit einem Crop-Faktor von ungefähr 1,5.
Welchen Crop-Faktor hat Micro Four Thirds?
Micro Four Thirds hat einen Crop-Faktor von ungefähr 2,0. Ein 25mm-Objektiv zeigt deshalb etwa den Bildwinkel von 50mm am Vollformat.
Gibt es einen Crop-Faktor bei Mittelformat?
Ja. Da viele Mittelformatsensoren grösser als Vollformat sind, liegt ihr Faktor unter 1,0. Der genaue Wert hängt von der jeweiligen Sensorgrösse ab.
Fazit: Der Crop-Faktor übersetzt den Bildwinkel
Der Crop-Faktor verändert nicht die tatsächliche Brennweite deines Objektivs. Er hilft dir zu verstehen, welchen Bildwinkel eine Brennweite an einem bestimmten Sensor zeigt.
Multipliziere für das Vollformat-Äquivalent und teile für die umgekehrte Suche nach einer passenden realen Brennweite. Danach bleibt nur noch die angenehmere Frage: Möchtest du mehr Umgebung sehen oder stärker auswählen?