Für Landschaftsfotografie gibt es nicht die eine beste Brennweite. Ein Ultraweitwinkel zeigt viel Raum und betont den Vordergrund, 24 bis 35mm sind vielseitig, 35 bis 50mm wirken natürlicher und längere Brennweiten isolieren Landschaftsteile oder staffeln entfernte Ebenen dichter hintereinander. Die passende Wahl hängt deshalb weniger von einer festen Zahl als von Motiv, Abstand und gewünschter Bildwirkung ab.
Wie Brennweite, Licht, Fokus und Komposition zusammenwirken, zeigt der zentrale Einstieg in die Landschaftsfotografie.

14 bis 24mm für betonte Weite und starke Vordergründe, 24 bis 35mm als vielseitiger Bereich, 35 bis 50mm für einen natürlicheren Ausschnitt und 70mm oder länger für Details, Bergketten und verdichtete Ebenen.
Welche Brennweite eignet sich für welche Landschaft?
Die folgende Tabelle bezieht sich auf Vollformat beziehungsweise den entsprechenden kleinbildäquivalenten Bildwinkel. Bei APS-C musst du den Crop-Faktor berücksichtigen. Weiter unten findest du dafür eine eigene Umrechnung.
| Brennweite | Typische Bildwirkung | Besonders geeignet für | Worauf ich achten würde |
|---|---|---|---|
| 14–24mm | Sehr weiter Bildwinkel, starke räumliche Wirkung | Vordergründe, enge Täler, Innenräume, dramatischer Himmel | Leere Bildränder und überbetonte Vordergründe vermeiden |
| 24–35mm | Weit, aber meist leichter zu ordnen | Klassische Landschaften, Reisen, Seen, Wälder und Berge | Nicht nur sammeln, was vor der Kamera liegt, sondern klar auswählen |
| 35–50mm | Natürlicher, konzentrierter und weniger dramatisch | Reduzierte Landschaften, einzelne Formen und dokumentarische Ansätze | Der Ausschnitt muss bewusster gewählt werden |
| 70–200mm | Enger Ausschnitt und dichter wirkende Ebenen | Bergketten, Nebel, Bäume, Lichtinseln und entfernte Details | Luftflimmern, Verwacklung und zu viele überlagerte Ebenen beachten |
| Über 200mm | Starke Isolation weit entfernter Motive | Gipfel, abstrakte Landschaftsausschnitte und Wetterdetails | Motiv und Atmosphäre können durch grosse Distanz flacher wirken |
Warum es nicht die eine beste Brennweite gibt
Die verbreitete Gleichung «Landschaft gleich Weitwinkel» greift zu kurz. Ein weiter Bildwinkel kann beeindruckend sein, aber er nimmt auch vieles auf, das für das Bild vielleicht gar nicht wichtig ist. Sobald Randbereiche, leerer Himmel oder ein schwacher Vordergrund hinzukommen, wirkt die Aufnahme trotz spektakulärer Aussicht unentschieden.
Eine längere Brennweite zwingt stärker zur Auswahl. Das kann bei Landschaften ein Vorteil sein. Statt die gesamte Aussicht zu dokumentieren, kannst du eine Bergkante, eine Lichtzone, einzelne Bäume oder eine Folge von Hügeln zum eigentlichen Motiv machen.
Wichtig ist auch die fotografische Präzision: Die Brennweite allein verändert die Perspektive nicht. Perspektive entsteht durch deinen Aufnahmestandpunkt. Die typische «verdichtete» Telewirkung entsteht vor allem deshalb, weil du für denselben Bildausschnitt weiter vom Motiv entfernt stehst. Eine ausführliche Grundlage dazu findest du in meinem Ratgeber Brennweite einfach erklärt.
Ultraweitwinkel von etwa 14 bis 24mm
Ein Ultraweitwinkel eignet sich, wenn der Vordergrund eine tragende Rolle spielen soll oder wenn der Raum tatsächlich eng ist. Steine, Pflanzen, Wege oder Wasserflächen können gross in das Bild hineinragen und den Blick in Richtung Hintergrund führen. Dadurch entsteht eine starke Tiefenwirkung.
Genau darin liegt aber auch die Gefahr. Ein Gegenstand nahe an der Kamera erscheint schnell übermächtig, während entfernte Berge kleiner wirken, als sie vor Ort empfunden wurden. Wer nur möglichst viel Landschaft einfangen möchte, erhält oft ein technisch weites, aber inhaltlich schwaches Bild.
Ich würde den Ultraweitwinkel deshalb nicht als Standardantwort betrachten, sondern als bewusstes Gestaltungsmittel. Er funktioniert besonders gut, wenn Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund klar miteinander verbunden sind. Mein Ratgeber zu Vordergrund und Hintergrund erklärt diese räumliche Schichtung ausführlicher.
24 bis 35mm: der vielseitige Landschaftsbereich
Zwischen ungefähr 24 und 35mm lässt sich Weite zeigen, ohne dass der Vordergrund zwangsläufig extrem wirkt. Für Seen, Berge, Wälder, Küsten und Reiseaufnahmen ist dieser Bereich deshalb sehr vielseitig. Er lässt genügend Umgebung im Bild und bleibt trotzdem leichter zu ordnen als ein Ultraweitwinkel.
35mm können besonders interessant sein, wenn eine Landschaft nicht wie eine Postkarte, sondern eher beobachtet und erlebt wirken soll. Menschen, Häuser, Wege oder andere Spuren des Alltags lassen sich einbeziehen, ohne dass sie in einer riesigen Umgebung verschwinden. Weitere typische Anwendungen beschreibe ich auf der Seite 35mm-Objektiv: Einsatzgebiete und Bildwirkung.
Dieser Bereich ist für mich weniger eine sichere Kompromisslösung als ein sehr flexibler Ausgangspunkt. Du kannst Nähe zum Vordergrund suchen, dich aber ebenso auf eine klare horizontale Staffelung konzentrieren.
35mm oder 50mm für Landschaftsfotografie?
35mm zeigen mehr Umgebung und erleichtern es, mehrere Landschaftsebenen miteinander zu verbinden. 50mm grenzen stärker ein und wirken oft natürlicher, weil der Bildwinkel näher an unserer konzentrierten Wahrnehmung liegt. Beide Brennweiten eignen sich für Landschaften, aber sie stellen unterschiedliche Fragen.
Mehr Umgebung und stärkere räumliche Beziehungen
Gut, wenn Wege, Ufer, Gebäude oder Menschen zusammen mit der Landschaft erzählt werden sollen.
Mehr Auswahl und ein konzentrierterer Ausschnitt
Gut, wenn einzelne Formen, Lichtzonen oder eine klar begrenzte Landschaftspartie wichtiger sind als die gesamte Aussicht.
Mit 50mm fotografierst du nicht automatisch «zu eng». Du entscheidest nur konsequenter, was draussen bleibt. Gerade in unübersichtlichen Landschaften kann diese Beschränkung helfen. Weitere Beispiele findest du bei den Einsatzgebieten eines 50mm-Objektivs.
An APS-C verändert sich der Bildwinkel deutlich. 35mm verhalten sich dort ungefähr wie 52 bis 56mm an Vollformat, 50mm ungefähr wie 75 bis 80mm. Den direkten Vergleich habe ich auf 35mm oder 50mm an APS-C ausführlich eingeordnet.
Teleobjektive für Berge, Nebel und Landschaftsdetails
Telebrennweiten werden in der Landschaftsfotografie oft unterschätzt. Zwischen 70 und 200mm lassen sich entfernte Berge, Nebelschichten, Baumgruppen, Lichtflecken oder geometrische Muster isolieren. Statt möglichst viel Raum zu zeigen, konzentrierst du dich auf Beziehungen innerhalb der Landschaft.
Bei weiter entfernten Motiven liegen die sichtbaren Ebenen aus deiner Position betrachtet enger hintereinander. Dadurch erscheinen Bergketten, Hügel oder Wälder dichter gestaffelt. Das kann eine sehr grafische Wirkung erzeugen.
Ein Teleobjektiv ist auch hilfreich, wenn der unmittelbare Vordergrund unruhig oder uninteressant ist. Du musst ihn dann nicht um jeden Preis in die Komposition zwingen. Allerdings werden Verwacklung, Luftflimmern und atmosphärischer Dunst mit zunehmender Entfernung wichtiger.

Vollformat, APS-C und der äquivalente Bildwinkel
Die Millimeterzahl allein reicht nicht, wenn Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten verglichen werden. Ein 24mm-Objektiv zeigt an APS-C einen engeren Bildwinkel als an Vollformat. Für die praktische Einordnung ist deshalb der kleinbildäquivalente Bildwinkel hilfreicher.
| Bildwirkung an Vollformat | Ungefähr an APS-C mit Faktor 1,5 | Ungefähr an Canon APS-C mit Faktor 1,6 |
|---|---|---|
| 14mm | 9–10mm | 9mm |
| 24mm | 16mm | 15mm |
| 35mm | 23mm | 22mm |
| 50mm | 33mm | 31mm |
| 70–200mm | 47–133mm | 44–125mm |
Das sind gerundete Praxiswerte, keine neuen Objektivbeschriftungen. Ein 16mm-Objektiv bleibt physisch ein 16mm-Objektiv; nur sein Bildwinkel entspricht an APS-C ungefähr 24mm an Vollformat. Den Zusammenhang und eine interaktive Umrechnung findest du beim Crop-Faktor und der Brennweite.
Ist ein 18–45mm- oder 18–55mm-Kitobjektiv geeignet?
Ja. Ein 18–45mm- oder 18–55mm-Objektiv ist an APS-C für viele Landschaftssituationen gut geeignet. Am kurzen Ende entspricht der Bildwinkel ungefähr 27 bis 29mm an Vollformat. Das ist weit genug für viele klassische Landschaften, ohne die ausgeprägte Wirkung eines Ultraweitwinkels.
Am längeren Ende kannst du den Ausschnitt reduzieren und Landschaftsteile bewusster auswählen. Ein Kitobjektiv deckt damit bereits einen sehr brauchbaren Bereich zwischen leichtem Weitwinkel und kurzer Telewirkung ab.
Grenzen zeigen sich eher bei sehr wenig Licht, extrem weiten Bildwinkeln oder wenn eine besonders kompakte Festbrennweite gewünscht ist. Für gute Landschaftsbilder sind jedoch Komposition, Licht, Wetter und Standort meist wichtiger als ein spektakulärer Objektivname.
Festbrennweite oder Zoom für Landschaften?
Ein Zoom ist praktisch, wenn der Standort nur wenig Bewegung erlaubt, etwa an einem Aussichtspunkt, an einem steilen Hang oder hinter einem Geländer. Du kannst verschiedene Ausschnitte prüfen, ohne ständig das Objektiv zu wechseln.
Eine Festbrennweite verlangsamt die Auswahl. Statt am Zoomring zu drehen, bewegst du dich bewusster oder akzeptierst einen engeren Ausschnitt. Das kann zu klareren Entscheidungen führen, ist aber kein automatischer Qualitätsvorteil.
Für die Landschaftsfotografie würde ich daher nicht pauschal eine Bauart zum Sieger erklären. Wer flexibel auf wechselnde Motive reagieren möchte, profitiert vom Zoom. Wer gern mit einer festen visuellen Grenze arbeitet, kann mit einer Festbrennweite sehr konsequent fotografieren. Die ausführliche Abwägung steht auf Festbrennweite oder Zoom.
Meine Erfahrung mit Landschaftsfotografie
Ich habe mehrere Jahre ländlich gewohnt und in dieser Zeit viel Landschaft fotografiert. Angefangen habe ich mit einer älteren analogen Konica. Später fotografierte ich ungefähr ein Jahr mit einer Leica-Vollformatkamera, den grössten Teil meiner Landschaftsarbeiten aber mit meinen Sony-Kameras.
Über diese unterschiedlichen Systeme hinweg blieb für mich eine Erfahrung konstant: Die weiteste verfügbare Brennweite ergab nicht automatisch das stärkste Bild. Häufig wurde eine Landschaft erst interessant, wenn ich den Ausschnitt enger setzte, eine einzelne Ebene hervorhob oder einen Menschen als Massstab und erzählerisches Element einbezog.
Ich kann bei älteren Bildern nicht immer zuverlässig nachvollziehen, mit welcher Kamera oder welchem Objektiv sie entstanden sind. Deshalb ergänze ich solche Angaben nicht nachträglich durch Vermutungen. Für die inhaltliche Einordnung ist ohnehin wichtiger, was im Bild sichtbar wird: Nähe, Distanz, Staffelung, Auswahl und Blickführung.

So wählst du die passende Brennweite vor Ort
Bestimme zuerst das eigentliche Motiv
Ist es die gesamte Aussicht, ein Vordergrund, eine Bergkante, eine Lichtzone oder eine Folge von Ebenen?
Prüfe deinen Standort
Kannst du näher herangehen, seitlich ausweichen oder eine höhere beziehungsweise tiefere Perspektive suchen?
Entferne störende Randbereiche
Ein engerer Ausschnitt ist oft stärker als ein weiter Bildwinkel, der nur zusätzliche Information sammelt.
Vergleiche mindestens zwei Bildwinkel
Fotografiere nicht nur die offensichtliche Weitwinkelversion. Prüfe auch einen natürlicheren oder deutlich engeren Ausschnitt.
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Ein einzelner Brennweitenvergleich kann Licht, Wetter, Standort, Bildaufbau und Nachbearbeitung nicht vollständig abdecken. Für eine zusammenhängende Vertiefung habe ich deshalb ein passendes Landschaftsfotografie-Buch für Deutschland und die Schweiz ausgewählt.
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Häufige Fragen zur Brennweite in der Landschaftsfotografie
Welche Brennweite ist für Landschaftsfotografie am besten?
Als vielseitiger Ausgangspunkt eignen sich ungefähr 24 bis 35mm an Vollformat beziehungsweise ein entsprechender Bildwinkel an APS-C. Für starke Vordergründe kann ein Ultraweitwinkel sinnvoll sein, für natürliche Ausschnitte 35 bis 50mm und für entfernte Landschaftsteile ein Teleobjektiv. Wenn du daraus ein konkretes Modell für dein Kamerasystem ableiten möchtest, findest du meine Auswahl im Ratgeber zum Objektiv für Landschaftsfotografie.
Ist 35mm oder 50mm besser für Landschaftsfotografie?
35mm sind besser, wenn mehr Umgebung und räumliche Beziehungen sichtbar bleiben sollen. 50mm eignen sich besser für reduzierte Ausschnitte und einzelne Landschaftselemente. Keine der beiden Brennweiten ist grundsätzlich überlegen.
Kann man mit 50mm Landschaften fotografieren?
Ja. 50mm eignen sich sehr gut für natürliche, konzentrierte Landschaftsbilder. Sie zeigen weniger Raum als ein Weitwinkel und fördern dadurch eine bewusstere Auswahl.
Ist ein 18–45mm-Objektiv für Landschaftsfotografie geeignet?
Ja. An APS-C deckt es ungefähr den Bildwinkel von 27 bis 68mm an Vollformat ab. Damit sind klassische Landschaften, natürliche Ausschnitte und kleinere Details möglich.
Wie viel Millimeter braucht man für Landschaftsfotografie?
Es gibt keine feste Mindestzahl. Landschaften lassen sich von ungefähr 14mm bis weit über 200mm fotografieren. Entscheidend ist, ob du Weite, natürliche Proportionen oder einzelne entfernte Motive zeigen möchtest.
Kann man Landschaften mit einem Teleobjektiv fotografieren?
Ja. Teleobjektive eignen sich für Bergketten, Nebel, Wälder, Lichtzonen und abstrakte Ausschnitte. Sie helfen, störende Vordergründe auszublenden und entfernte Ebenen dichter zu staffeln.
Brauche ich für Landschaftsfotografie ein Weitwinkelobjektiv?
Nein. Ein Weitwinkel ist nützlich, aber keine Voraussetzung. Normal- und Telebrennweiten können zu eigenständigeren und klarer ausgewählten Landschaftsbildern führen.
Fazit: Die Bildwirkung entscheidet
Für Landschaftsfotografie ist die beste Brennweite diejenige, die das eigentliche Motiv klar sichtbar macht. Ultraweitwinkel betonen Raum und Vordergrund, 24 bis 35mm sind vielseitig, 35 bis 50mm wirken natürlicher und Telebrennweiten isolieren Details oder staffeln entfernte Ebenen.
Ich würde deshalb nicht mit der Frage beginnen, welches Objektiv angeblich jede Landschaft beherrscht. Zuerst entscheide ich, was das Bild erzählen soll und wie viel Umgebung dafür wirklich nötig ist. Die konkrete Kaufberatung zu Landschaftsobjektiven trenne ich bewusst von dieser Grundlagenfrage, weil dort zusätzlich Bajonett, Sensorformat, Gewicht, Filtergewinde und Einsatzbereich berücksichtigt werden müssen.