Filme für Street Photography: Inspiration aus dem Kino
Diese Filmliste ist keine Sammlung von Filmen, die man als Fotograf einfach kopieren soll. Mich interessieren Filme als Sehschule: Licht, Atmosphäre, Stadtgefühl, Bewegung, Nähe, Distanz und dieses schwer zu erklärende Gefühl, dass eine Strasse plötzlich mehr ist als nur ein Ort.
Street Photography entsteht draussen, ungestellt und oft in Sekunden. Trotzdem trägt man Bilder mit sich herum. Filme können diesen inneren Vorrat verändern. Sie können zeigen, wie Nacht riecht, wie Farbe eine Stimmung kippt, wie Einsamkeit in einer vollen Stadt aussehen kann oder warum ein fast beiläufiger Moment stärker sein kann als eine grosse Szene.
Filme für Street Photography und fotografisches Sehen
- À bout de souffle
Paris, Bewegung und Nouvelle Vague. - Chungking Express
Hongkong, Zufall, Nähe und urbane Unruhe. - In the Mood for Love
Zurückhaltung, Enge, Farbe und unausgesprochene Nähe. - 2046
Erinnerung, Nacht, Glas und Melancholie. - Fallen Angels
Nacht, Weitwinkel, Einsamkeit und Überreizung. - Le Samouraï
Reduktion, Kontrolle, Schatten und urbane Kälte. - Drive
Neon, Los Angeles, Stille und Spannung. - Only God Forgives
Farbe, Dunkelheit, Gewalt und unheimliche Ruhe. - The Neon Demon
Oberfläche, Blick, künstliches Licht und Schönheit als Druck. - Too Old to Die Young
Langsamkeit, Leere, Nacht und bedrohliche Räume. - Copenhagen Cowboy
Blaues Licht, Fremdheit und moderne Mythen. - The Third Man
Schatten, Gassen, Nachkriegsstadt und Film-Noir-Spannung. - Taxi Driver
New York, Isolation, Nacht und moralischer Druck. - La Haine
Banlieue, Schwarzweiss, Wut und sozialer Raum. - Vertigo
Obsession, Farbe, San Francisco und der gefährliche Blick. - The Dreamers
Paris, Kino-Fieber, Jugend und Innenräume.
Wie ich diese Filme für Fotografie lese
Ich schaue solche Filme nicht, um daraus fertige Bildrezepte zu machen. Das wäre langweilig und meistens auch ziemlich steif. Interessant ist eher, was sie am Blick verändern: Man achtet anders auf Übergänge, Regen, künstliches Licht, Wartesituationen, Körperhaltungen, Treppenhäuser, Gesichter im Vorbeigehen oder auf das Gefühl, dass eine Szene gerade schon fast vorbei ist.
Dossiers
- Wong Kar-Wai und Street Photography
- Jean-Pierre Melville und Street Photography
- Nicolas Winding Refn und Street Photography
Wichtig bleibt: Street Photography ist keine fremdes Szenenbild-Produktion. Ich baue keine Szene nach und warte nicht einfach darauf, dass jemand in eine vorbereitete Komposition läuft. Ich bleibe meist in Bewegung, reagiere auf Orte, Licht, Menschen und Situationen. Filme können dabei helfen, sensibler zu sehen. Die Strasse muss dann trotzdem selbst passieren.