Fallen Angels und Street Photography: Nacht, Einsamkeit und urbane Überreizung
Fallen Angels ist wie ein nächtlicher Spaziergang, bei dem man zu lange draussen bleibt und irgendwann nicht mehr sicher ist, ob die Stadt schön, kaputt oder beides ist.
Kurz zur Handlung
Der Film verwebt mehrere Figuren in Hongkong: einen Auftragskiller, seine Partnerin, einen stummen Kleinkriminellen und verlorene Menschen, die sich durch Nacht, Arbeit, Sehnsucht und merkwürdige Begegnungen bewegen. Die Handlung ist weniger wichtig als das Gefühl, dass alle Figuren nebeneinander existieren und doch kaum zueinander finden.
Die Atmosphäre: der eigentliche Grund, hinzuschauen
Die Atmosphäre ist nervös, schräg, nah an den Körpern. Enge Räume, extreme Blickwinkel, Neon, Nacht, Mopeds, Imbisse, leere Strassen. Der Film wirkt weniger romantisch als Chungking Express, eher übermüdet und elektrisch. Man sieht Menschen, die in einer Millionenstadt fast verschwinden.
Was daran für Street Photography interessant ist
Für Street Photography ist Fallen Angels interessant, weil er zeigt, wie stark Nähe und Verzeichnung sein können. Nicht jedes Bild muss angenehm sein. Manchmal darf eine Stadt auch zu nah, zu hell, zu einsam, zu seltsam wirken.
Was ich beim Fotografieren daraus mitnehmen würde
Fotografisch kann man daraus mitnehmen: Nacht ist nicht einfach Dunkelheit. Nacht ist Farbe, Rhythmus, Müdigkeit, künstliches Licht, leerer Asphalt und manchmal dieses Gefühl, dass man als Fotograf gerade zufällig in einer fremden Szene gelandet ist.
Warum mich dieser Film fotografisch nicht loslässt
Fallen Angels hat eine nächtliche Nervosität, die fast körperlich wird. Der Film wirkt, als wäre er zu lange wach geblieben. Alles ist zu nah, zu schräg, zu hell, zu einsam. Und trotzdem hat er eine seltsame Zärtlichkeit für seine verlorenen Figuren.
Für Street Photography ist diese Mischung wichtig. Nachtbilder werden schnell dekorativ: Neon, Regen, Spiegelung, fertig. Fallen Angels erinnert daran, dass Nacht nicht nur schön ist. Sie kann überreizt, müde, komisch, traurig und unangenehm nah sein. Genau dort beginnt oft die interessantere Fotografie.
Mich reizt daran vor allem die Bereitschaft, das Unsaubere nicht sofort zu glätten. Ein Bild darf manchmal kippen, verzerren, zu dicht sein. Nicht als Effekt um des Effekts willen, sondern weil sich Stadt nachts tatsächlich so anfühlen kann: ein bisschen falsch, ein bisschen wach, ein bisschen allein.