News
Copenhagen Cowboy: Farbe, Räume und eine rätselhafte Hauptfigur
Eine Figur bleibt fast unbewegt, während ein Raum um sie herum immer fremder erscheint. Bei Copenhagen Cowboy trägt nicht allein die Handlung dieses Gefühl. Farben, Körperhaltungen und langsame Blicke durch die Räume lassen Vertrautes kippen. Fotografisch interessiert mich daran, wie ein gewöhnlicher Ort sonderbar werden kann, ohne dass man ihn mit Effekten überlädt.
Too Old to Die Young: Wie Bilder durch Warten schwer werden
Du wartest auf eine Antwort, aber die Kamera bleibt einfach stehen. Die Pause wird unangenehm lang, und plötzlich bemerkst du die Entfernung zwischen zwei Menschen oder einen leeren Bereich neben ihnen. Too Old to Die Young arbeitet mit dieser Zumutung. Für eine fotografische Serie ist daran interessant, wie wenig sich verändern muss, damit wir genauer oder ganz anders hinschauen.
The Neon Demon: Schönheit, Spiegel und die Macht des Blicks
Ein Gesicht kann perfekt beleuchtet sein und trotzdem unnahbar wirken. Vielleicht liegt das nicht an der Person, sondern daran, wie das Bild sie vorführt: glatt, symmetrisch, ohne einen Ort, an dem sie einfach Mensch sein darf. The Neon Demon macht genau diese Verwandlung von Schönheit in eine bedrohliche Oberfläche zum Thema. Für Porträts finde ich daran die Frage wichtig, wann eine Gestaltung jemandem Ausdruck gibt und wann sie ihn festlegt.
Only God Forgives: Wenn ein Raum seine Figuren beherrscht
Eine Person sitzt am Ende eines langen Raums. Zwischen ihr und dir bleibt viel Platz, aber dieser Platz wirkt nicht einladend. Only God Forgives macht aus solchen Abständen ein zentrales Mittel: Menschen erscheinen in einer Ordnung, der sie kaum entkommen. Für die Fotografie liegt darin eine genauere Frage als «Wie bekomme ich diesen roten Filmlook?»
Drive: Nächtliches Licht, Nähe und Distanz fotografisch lesen
Durch eine Scheibe kannst du zugleich einen Menschen und die Stadt sehen. Das Gesicht bleibt nah, die Lichtpunkte draussen ziehen eine zweite Ebene auf. An Drive interessiert mich diese Spannung stärker als die Frage nach einem bestimmten Neon-Preset: Wie entsteht Nähe zu einer Figur, die sich ihrer Umgebung kaum öffnet?
Le Samouraï: Einsamkeit, leise Geräusche und der kontrollierte Bildraum
Le Samouraï, auf Deutsch Der eiskalte Engel, macht aus alltäglichen Bewegungen ein angespanntes Ritual. Eine Hand am Hut, ein Weg durch die Stadt, das Warten in einem Zimmer: Die Wirkung entsteht nicht dadurch, dass ständig etwas Spektakuläres geschieht. Für eigene Fotos finde ich daran besonders anregend, wie genau eine Person im Raum stehen kann, ohne dass wir viel über sie erfahren.
Fallen Angels: extreme Nähe, Nacht und die Grenzen eines Bildes
Fallen Angels von Wong Kar-Wai ist ein Hongkong-Film aus dem Jahr 1995. Seine nächtlichen Geschichten verbinden einen Auftragsmörder, seine Vermittlerin und einen jungen Mann, der nicht spricht. Körper rücken sehr nah an die Kamera; menschliche Nähe entsteht dadurch noch lange nicht. Diese Unterscheidung ist für mich der interessanteste Ausgangspunkt, wenn man vom Film zur Fotografie weiterdenkt.
Vertigo: Farbe, Wiederholung und der Wunsch nach einem bestimmten Bild
Manchmal suchen wir beim Fotografieren so hartnäckig nach einer bestimmten Vorstellung, dass die tatsächliche Person oder der Ort dahinter verschwindet. Vertigo – Aus dem Reich der Toten macht diese Fixierung zum beunruhigenden Kern seiner Geschichte. Für mich ist der Film deshalb nicht nur eine Anregung für Farben und Perspektiven, sondern auch eine Frage an den eigenen Blick: Was möchte ich unbedingt sehen?
2046 erklärt: Erinnerung, Hotelzimmer und verpasste Nähe
2046 ist Wong Kar-Wais Film von 2004 über einen Schriftsteller, seine Beziehungen und die Geschichten, die er daraus macht. Er führt Chow Mo-wan aus In the Mood for Love weiter, verbindet Erinnerungen mit einem Hotel und einer erfundenen Zukunft. Die Zahl ist deshalb mehr als eine Jahresangabe. Mich interessiert besonders, wie Menschen in Bildern einen Platz behalten können, obwohl die Begegnung längst vorbei ist.